Die Liebe zum Auto

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Die Liebe der Deutschen zum Auto war einmal eine bedingungslose. Ist sie das noch? Jüngere machen heute seltener einen Führerschein und der Besitz eines eigenen Autos hat – zumindest in den Großstädten – einen geringeren Stellenwert. Achtung! CEO Mirko Kaminski hat bei Christian Maas, Director Communications von mobile.de, nachgefragt. Mit rund 1,5 Millionen inserierten Pkw, Nutzfahrzeugen und Motorrädern ist mobile.de Deutschlands größter Fahrzeugmarkt. Das Unternehmen zählt monatlich rund 16,9 Millionen individuelle Nutzer*innen und liegt damit weit vor allen anderen Wettbewerbern.

Christian, wie sehr lieben die Deutschen das Auto noch?


Das Auto war schon so vieles für uns: unser liebstes Kind, Statussymbol, Freiheitsgefühl. Tatsächlich kann sich die Mehrheit der Deutschen bis heute kein Leben ohne Auto vorstellen. Aber: Liebe verändert sich. Für viele Menschen geht es nicht mehr um hohe PS-Zahlen, sondern um niedrige CO2-Werte. Und die Beziehung muss auch nicht mehr halten, bis der TÜV uns scheidet. Leasing und Autoabos sind immer populärere Modelle.


In welches Auto warst du selbst denn mal „verknallt“?


Das sind wirklich viele, Mirko. Wenn ich die alle aufzähle, bräuchte das Lesen dieses Interviews Stunden. :-) Wenn ich ein Auto auswählen müsste, wäre es vielleicht der DeLorean DMC-12, den wir alle aus „Zurück in die Zukunft“ kennen. Den finde ich wahnsinnig ästhetisch, cool und anders. Damals wie heute.


Wie habt ihr zwei euch kennengelernt? :-)


Wir sind uns nur ein einziges Mal begegnet. Bei einem mobile.de Sommerfest stand ein DeLorean auf dem Campus. Es dauerte eine Weile, bis ich zu ihm konnte, aber als ich da war, sackte mir fast der Kreislauf weg. :-)


Zeigt sich auch in euren Daten, dass Jüngere heute eher von anderen Dingen träumen als vom eigenen Auto? Nimmt also die Zahl jüngerer Nutzer*innen ab?


Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Natürlich haben die Smartphones und PlayStations einen sehr hohen Stellenwert im Leben von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Und in Berlin, Hamburg und meiner Heimatstadt Köln kommt man auch ganz gut ohne Auto klar. Aber die Welt in den vielen Mittelstädten und auf dem Land sieht komplett anders aus. Da kommt der Bus nicht im 10-Minuten-Takt, sondern vielleicht nur viermal am Tag. Für meine Verwandten in Trier ist ein Leben ohne Auto kein Unabhängigkeitserlebnis, sondern ein Albtraum.


Wie groß ist wohl der Anteil eurer Nutzer*innen, die eigentlich gar kein Auto kaufen, sondern eher auf mobile.de stöbern und ein bisschen träumen wollen?


Träumen lässt es sich auf mobile.de ganz wunderbar. Bei knapp 1,2 Millionen Fahrzeugen findet sich praktisch für jeden Geschmack das passende Auto. Allerdings auch für jeden Geldbeutel. So bleibt es bei unseren 14 Millionen Nutzerinnen und Nutzern im Monat nicht beim Windowshopping. Im Gegenteil: Alle neun Sekunden wird über mobile.de ein Auto verkauft. Unsere Händler vertreiben mehr als 50 Prozent ihrer Fahrzeuge über mobile.de.


Ich erinnere mich noch, dass mein Onkel mich früher ins Autohaus mitgenommen hat, um sich Autos anzugucken. Schräg, sich vorzustellen, das heute noch zu machen. Welche Erwartungen haben die Menschen heute und in Zukunft an den Autokauf?


Erst mal ist es wichtig, anzuerkennen, dass nicht der letzte Autokauf die Kundenerwartungen prägt, sondern die letzte Hotelbuchung oder Lebensmittellieferung. Der Autohandel wird an den Booking.coms und Amazon Primes gemessen. Und da erleben Konsumierende mehr Convenience, Individualisierung und Schnelligkeit als je zuvor. Genau das wünschen sie sich auch beim Autokauf: die kurzfristige Lieferung der Probefahrt an die Haustür, einfache Rückgabemöglichkeiten, falls das Auto doch nicht gefällt, und natürlich Kommunikation in Echtzeit, um nur drei Beispiele zu nennen.


Viele Automarken haben Lieferkettenproblemen und somit Lieferengpässe. Option B kann sein, einfach einen Gebrauchtwagen zu kaufen, der dann quasi schon ab morgen oder übermorgen genutzt werden kann. Seht ihr das auf mobile.de in den Aufrufen und steigen daher die Preise für Gebrauchte?


Auch 2022 bleibt ein anspruchsvolles Jahr für unsere Branche. Es bestehen weiterhin Lieferengpässe aufgrund von Chipmangel & Co. Und das wirkt sich auf den Markt aus. So liegen die Preise rund 20 Prozent über dem Vorjahresniveau und Autos verkaufen sich so schnell wie selten zuvor. Die gute Nachricht ist aber: Im April ist die Zahl der angebotenen Fahrzeuge um knapp 5 Prozent gestiegen und damit so stark wie seit über einem Jahr nicht mehr. Ich fürchte aber, dass der DeLorean auch auf lange Sicht eine Rarität bleiben wird.

Ich drück die Daumen, dass es überraschend doch klappt mit euch beiden!