Podcasts: „KI wird noch stärker eingesetzt werden“

Felicia 3072x1622

Podcasts liegen weiter voll im Trend. Auch immer mehr Marken und Unternehmen entdecken und nutzen sie für sich. Felicia Mutterer, Geschäftsführerin und Mitgründerin des Berliner Audio- und Podcastspezialisten Achtung! Broadcast, erklärt im Interview, was 2024 wichtig wird.

Felicia, in letzter Zeit hört man in der Kommunikationsbranche viel über Videopodcasts. Glaubst du, dass Video die Zukunft von Audio ist?


Also, ehrlich gesagt, verstehe ich den Hype um Videopodcasts nicht so ganz. Spotify zählt derzeit um die 100.000 Videopodcasts, Podcasts etwa vier bis fünf Millionen. Video ist Video, und Audio ist Audio. Jedes Medium hat seine eigenen Vorzüge. Der Vorteil von Audio ist, dass man als CEO ohne aufwendiges Styling auftreten kann, und Hörer*innen müssen nicht zwingend zusehen, sondern können einfach zuhören, zum Beispiel beim Spaziergang. Audio ist ein Medium für nebenbei und daher eine sinnvolle Ergänzung in der Kommunikation. Aber natürlich ist es zweckmäßig, Audioaufnahmen zu filmen, um sie auf Plattformen wie YouTube und besonders in den sozialen Medien zu verwenden.

Warum ist Videomarketing für Audioformate wichtig?


Inmitten des krass großen Angebotes ist das Entdecken von Podcasts nach wie vor eine Herausforderung. Daher sollte es Nutzer*innen erleichtert werden, auf den eigenen Podcast zu stoßen. Zwangsläufig muss verstärkt auf visuellen Plattformen Präsenz gezeigt und nach den dortigen Regeln Aufmerksamkeit erregt werden. Soziale Medien sind ein gefragter Vermittlungsplatz zwischen Audioformaten und potenziellen Hörer*innen, insbesondere für die Generation Z, die viel Podcasts hört und das Medium schätzt, weil es tiefere Einblicke bietet.

Bleiben wir beim Videomarketing für Podcasts. Es heißt oft, TikTok sei DER Kanal, wo man mit einem Podcast sein muss?!

Ja, TikTok ist nützlich, aber die höchste Konversion erfolgt immer noch über YouTube, zumindest laut Daten aus den USA. Im Report von Edison Research wurden 84 Prozent der Gen Z über YouTube auf einen Podcast aufmerksam, gefolgt von TikTok mit 80 Prozent.

Videos auf Videoplattformen funktionieren besser als Standbilder mit Audio darunter. Das ist nachvollziehbar.

Genau, das haben wir auch festgestellt. Reine Audiogramme funktionieren unserer Erfahrung nach nicht gut in den sozialen Medien, die mit visuellen Reizen locken, und verlieren mit Sicherheit 2024 weiter an Bedeutung.

Bleiben wir lieber bei den bedeutungsvollen Aspekten, die uns beschäftigen. Zum Beispiel beim Megatrend KI. Gemeinsam mit Bosch setzt ihr bei Achtung! Broadcast bereits ein Format um, das von einem KI-Voice-Avatar gehostet wird. Mit den Arbeiten – Stimmen trainieren etc. – habt ihr 2021 angefangen. Welche Rolle spielt KI beim Thema Audio und bei eurer Arbeit mittlerweile?

Wir nutzen KI täglich, sowohl für unser KI-Voice-Avatar-Format als auch für kreative und redaktionelle Arbeiten. Bots helfen uns bei der Entwicklung von Konzepten und Skripten, ChatGPT optimiert Texte, und mit Tools wie Amper Music experimentieren wir bei Sounds und Musikkompositionen.

Bei der Produktion nutzen wir schon immer smarte Tools zur Qualitätsoptimierung, die werden immer besser, aber bei uns wird noch menschlich redaktionell editiert. KI wird in Zukunft noch stärker in allen relevanten Bereichen der redaktionellen Arbeit eingesetzt, auch hörbar in Audioformaten, und es wird sicherlich eine Transformation von Prozessen und Jobprofilen geben.

Was bleibt bedeutungsvoll für Audiokommunikation im Jahr 2024?

KI nimmt weiter an Bedeutung zu. Daneben aber sicher auch medienübergreifende Dokutainment-Formate und Vermarktung von Formaten sowie die Interaktion zwischen Podcastmachenden und ihren Followern.

Wenn du dir etwas wünschen könntest?

Ich wünsche mir Kommunikationsentscheider*innen, die sich trauen, sich in der Kommunikation von der Masse abzuheben, und davor keine Angst haben. Die Leute mögen doch Unternehmen und Marken, die sich mit gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen und zielgerichtet kommunizieren. 08/15-Content gibt es schon genügend.

Und außerhalb der Audiowelt?

Da wünsche ich mir, dass die Frauen des FC Viktoria Berlin schnellstmöglich in die Bundesliga aufsteigen.

(Anmerkung der Redaktion: Felicia Mutterer ist Mitgründerin des Fußball-Frauenteams des FC Viktoria Berlin. Sie arbeitet engagiert daran mit, dass das Team in die Fußballbundesliga aufsteigt und Viktoria Berlin bundesweit zu einer Love-Brand wird.)