Vertrauen auf Vorrat

Impact Babette im Gespraech quer

Babette Kemper ist Geschäftsführerin von Achtung! Mary und begleitet Unternehmen seit Jahren dabei, die interne Kommunikation sauber aufzustellen. Was sie dabei immer wieder beobachtet: Führungskräfte, die in guten Zeiten selten oder nur "auf Hochglanz" kommunizieren, stehen in Krisen oft ohne Worte da. Ihr Appell: den Kommunikationsmuskel trainieren, bevor es stürmisch wird.

Wir sehen und hören es von allen Seiten: der Druck auf die interne Kommunikation wächst. Denn wenn draußen der Sturm tobt, zeigt sich drinnen die Wahrheit. In Krisenzeiten, wenn die Zahlen wackeln oder die Weltlage unsicher ist, beobachten wir insbesondere in den Chefetagen zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen. Da sind die einen, die plötzlich verstummen. Sie ziehen sich zurück, feilen an Formulierungen und warten auf Gewissheit. Und da sind die anderen. Diejenigen, die einfach weiterreden. Die auch jetzt den Flurfunk nicht scheuen, die greifbar bleiben und intuitiv die richtigen Worte finden.

Der Unterschied liegt nicht in der Schwere der Krise. Er liegt in der Zeit davor. Führungskräfte, die Kommunikation immer als formellen Akt begriffen haben – als Einbahnstraße von der Bühne ins Publikum –, tun sich in schweren Zeiten oft schwer. Ihnen fehlt das Training. Wer nur mit geschliffenen Reden kommuniziert, fühlt sich ohne Skript nackt. Und weil in der Krise niemand ein perfektes Skript schreiben kann, wählen sie das Schweigen.

Doch Schweigen kann unfassbar laut sein. Wo Informationen fehlen, wachsen Gerüchte wie Schimmel in einer feuchten Ecke. Hier tappen viele in die Falle: Sie glauben, sie müssten Unfehlbarkeit ausstrahlen, um Sicherheit zu geben. Doch das Gegenteil passiert. Mitarbeitende sind keine Gefäße für Corporate Messages, sie sind feine Seismografen. Sie spüren die Unsicherheit sowieso. Wer jetzt versucht, eine perfekte Fassade zu wahren, wirkt nicht stark, sondern unglaubwürdig.

Moderne Kommunikatoren setzen auf Kontinuität. Führungskräfte, die schon in guten Zeiten die Nähe suchen, die informell und menschlich agieren, haben es im Sturm leichter. Sie haben sich ein Guthaben an Vertrauen erarbeitet. Sie müssen keine Rolle spielen, weil sie sich nie verstellt haben. Wer es gewohnt ist, Kommunikation vom Menschen aus zu denken – also auch mal unfertige Gedanken zu teilen oder einfach nur zuzuhören –, der muss sich nicht umstellen, wenn die See rau wird.

Das ist die große Chance für unsere Branche und für jede Führungskraft: Investiert in die Nähe, solange die Sonne scheint! Nutzt ruhige Phasen, um eine Sprachfähigkeit zu entwickeln, die zu eurer Persönlichkeit passt! Weg von der hölzernen Corporate Language, hin zum echten Dialog. Das macht nicht nur den Alltag lebendiger, es ist die beste Versicherung für den Ernstfall.

Denn die "schlechten Zeiten" sind heute fast ein Dauerzustand. Umso wichtiger ist es, dass Kommunikation nicht zur Schwerstarbeit wird, sondern im Fluss bleibt. Wer Nähe zulässt, macht sich nicht angreifbar. Er macht sich glaubwürdig. Also: Trainiert den informellen Muskel! Redet miteinander, intuitiv und direkt! Dann braucht ihr keine Angst vor dem Sturm zu haben. Ihr seid längst wetterfest.