Interne Kommunikation als Motor und Seismograf zugleich

IMPACT birte ret quer

Zwischen Transformation, technologischen Umbrüchen und wachsender Unsicherheit wird Orientierung zur zentralen Währung in Unternehmen. Birte Ayhan-Lange, Leiterin Unternehmenskommunikation & CSR der HanseMerkur, spricht mit Achtung!-Geschäftsführerin Babette Kemper darüber, warum interne Kommunikation heute weit mehr ist als ein Informationskanal, wie sie als Motor und Seismograf zugleich wirkt und weshalb Zukunftsnarrative, Führung und psychologische Sicherheit entscheidend dafür sind, ob Wandel in Organisationen wirklich ankommt.

Birte, gefühlt ist gerade alles im Umbruch – neue Technologien, neue Erwartungen, neue Unsicherheiten. Du hast in einem anderen Gespräch mal gesagt: Interne Kommunikation entscheidet heute mit darüber, ob Transformation gelingt oder scheitert. Ist das nicht ein bisschen hoch gegriffen?

Ich würde eher sagen: immer noch tief gestapelt. Transformation passiert ja nicht auf PowerPoint-Folien, sondern in den Köpfen und im Alltag der Mitarbeitenden. Und genau da wirkt interne Kommunikation. Sie ist nicht nur Begleiterin, sondern Treiberin von Wandel – sie gibt Richtung, schafft Verständnis und bringt Menschen ins Mitmachen.

Was heißt das konkret im Unternehmensalltag?

Dass interne Kommunikation viel stärker als früher strategisch eingebunden ist. Dem Verlautbarungsorgan der Chef-Etage ist sie glücklicherweise längst entwachsen. Sie entwickelt Zukunftsbilder, sorgt für Orientierung und holt gleichzeitig Stimmungen aus der Organisation zurück. Ich nenne das gern die Doppelrolle als Motor und Seismograf. Gerade bei HanseMerkur sieht man das gut: Dort wird sehr bewusst in die Organisation hineingehorcht – zum Beispiel beim Präsenz-Format „Dialog mit dem Vorstand“ oder mit der Einbindung von Mitarbeitenden im CEO-Vodcast „HanseTalk“. Und gleichzeitig werden Themen immer stärker gemeinsam mit HR und IT gedacht. Diese enge Verzahnung ist heute entscheidend.

Überall liest man derzeit von „Zukunftsnarrativen“ als neuem Kapital. Klingt ein bisschen nach Buzzword. Was steckt für Dich dahinter?

Ja, der Begriff klingt groß, aber das Prinzip ist eigentlich simpel: Menschen wollen verstehen, wohin die Reise geht – und warum. Ein gutes Zukunftsnarrativ verbindet Strategie mit Sinn. Es macht greifbar, was sonst abstrakt bleibt.

Und wer erzählt diese Geschichte?

Im Kern: die Unternehmensführung. Vorstand und Führungskräfte sind die wichtigsten Kommunikatoren. Mitarbeitende beobachten sehr genau, wie authentisch, konsistent und nahbar sie auftreten. Interne Kommunikation kann das nicht ersetzen, aber sie kann es orchestrieren und begleiten.

Also kein Delegieren mehr nach dem Motto „Macht ihr das mal“?

Genau. Das funktioniert nicht mehr. Führung muss sichtbar kommunizieren, und zwar kontinuierlich. Die interne Kommunikation ist Sparringspartnerin, Übersetzerin und manchmal auch kritisches Korrektiv. 

Wenn wir auf die aktuelle Arbeitswelt schauen – VUCA, BANI, Dauerkrise: Du sagst, Orientierung ist wichtiger als Information. Warum?

Weil Information allein oft überfordert. Wir leben in einer Zeit, in der sich viele Menschen ohnehin unsicher fühlen. Da reicht es nicht, Updates zu senden. Es geht darum, einzuordnen, Halt zu geben und Sinn zu vermitteln.

Das klingt fast schon nach einer psychologischen Rolle.

Ist es auch ein Stück weit. Interne Kommunikation schafft psychologische Sicherheit – oder eben nicht. Wenn Mitarbeitende sich verloren oder überfordert fühlen, werden sie kaum ihr Potenzial entfalten.

Hast Du ein Beispiel, wo Euch das gut gelingt?

Ja, bei der HanseMerkur gibt es einige sehr schöne Ansätze, wie wir unsere Unternehmsstrategie für die Mitarbeitenden greifbarer machen. Zum Beispiel sind Tierversicherungen eines unserer großen Wachstumssegmente. Bei „HanseMerkur Next Tiermodel“ können Mitarbeitende Fotos ihrer Haustiere einreichen und das Gewinnerbild kommt aufs Cover des internen Magazins. Klingt erstmal spielerisch, hat aber einen ernsten Kern: Es schafft Verbindung, Leichtigkeit und Beteiligung.

Also auch bewusst Energie geben, nicht nur informieren?

Absolut. Oder auch das langjährige soziale Engagement mit unserem HanseMerkur Preis für Kinderschutz, bei dem Mitarbeitende aktiv eingebunden werden, und sogar Preisträger mit auswählen – inklusive Preisübergabe auf großer Bühne. Das sind Formate, die Sinn stiften und zeigen: Wir können gemeinsam etwas bewegen.

Wenn interne Kommunikation so zentral geworden ist – was bedeutet das für die Menschen, die in dem Bereich arbeiten?

Das Rollenprofil hat sich massiv verändert. Früher war interne Kommunikation oft „die kleine Schwester“ der externen Kommunikation. Heute ist sie strategische Schlüssel-Funktion.

Und welche Skills braucht es dafür?

Ein ziemlich breites Set. Strategisches Denken, Storytelling, Change-Kompetenz, Empathie – und ganz wichtig: Technologieverständnis. KI spielt dabei – wie in vielen Kommunikationsbereichen in 2026 – eine große Rolle.

Inwiefern?

Interne Kommunikatoren müssen nicht nur selbst mit KI arbeiten können. Sie müssen auch Mitarbeitende befähigen, Ängste nehmen und Lust aufs Ausprobieren machen. Denn der technologische Wandel betrifft alle.

Also eine Art Übersetzer zwischen Mensch und Maschine?

Genau. Und auch hier wieder: orchestrieren. Räume schaffen für Austausch, für Fragen, für Lernen. Die Zukunft wird von Mensch und Maschine gemeinsam gestaltet – und interne Kommunikation hilft dabei, dieses Zusammenspiel verständlich und erlebbar zu machen.

Wenn du einen Wunsch frei hättest für die Zukunft der internen Kommunikation – welcher wäre das?

Dass sie in allen Unternehmen den Platz bekommt, den sie verdient: als strategischer Partner auf Augenhöhe. Denn ohne gute interne Kommunikation bleibt jede Transformation Stückwerk.

Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank dir, Birte!

Sehr gern. Hat Spaß gemacht!