Interne Kommunikation ist ein zentrales Steuerungs-Instrument
Die Transformation eines Industriekonzerns mit knapp 100.000 Mitarbeitenden weltweit und der Anspruch, in unsicheren Zeiten Orientierung zu geben: Maribel Leisten, Head of COM Strategy, Brand & Internal Communications bei thyssenkrupp AG, spricht mit Achtung!-Geschäftsführerin Babette Kemper darüber, warum die interne Kommunikation zum strategischen Steuerungsinstrument geworden ist, wie sich eine komplexe Transformation verständlich machen lässt und weshalb Führungskräfte dabei die wichtigsten Verbündeten sind.
Maribel, die kommunikativen Herausforderungen sind für uns alle deutlich komplexer geworden. Was hat sich in der internen Kommunikation in den letzten Jahren grundlegend verändert?
Kommunikation passt sich immer den Gegebenheiten an. Früher war die interne Kommunikation stark top-down orientiert. Heute sehen wir uns nicht mehr als reinen Sender, sondern wir ermöglichen und begleiten den Dialog zwischen Führung und Mitarbeitenden. So hat sich die IK zu einem zentralen Steuerungsinstrument entwickelt, das echten Austausch ermöglicht und auch in Zeiten des Wandels Orientierung und Struktur bietet.
Wandel ist ein gutes Stichwort! Bei thyssenkrupp ist dieser ja gerade allgegenwärtig. Wie wirkt sich das auf Eure Kommunikation aus?
Absolut. Wir befinden uns mitten in einer historischen Transformation. Wir richten thyssenkrupp komplett neu aus – mit klar fokussierten Geschäften, einem stringenteren Portfolio und starken verselbständigten Unternehmen, die unter dem Dach einer Finanzholding eigenständig agieren. Gleichzeitig treiben wir mit Segmenten wie „Decarbon Technologies“ die grüne Transformation der Industrie voran und investieren in Zukunftsfelder, in denen wir einen echten Unterschied machen können. Diese Offenheit für kontinuierlichen Wandel und die klare Vision für die Zukunft spiegeln sich auch in unserer Kommunikation wider. Und genau hier zeigt sich, wie entscheidend interne Kommunikation ist: Die beste Strategie ist nutzlos, wenn sie von den Mitarbeitenden nicht mitgetragen wird. Wir müssen komplexe Themen verständlich machen und erklären, warum wir Dinge tun – insbesondere, was das konkret für den Arbeitsalltag bedeutet. Nur so schaffen wir Vertrauen. Und das ist die Voraussetzung dafür, dass alle an einem Strang ziehen und die Transformation zum Erfolg führen.
Bei knapp 100.000 Mitarbeitenden weltweit klingt das nach einer Mammutaufgabe. Wie schafft man es, alle mitzunehmen?
Unsere Größe und Vielfalt machen Kommunikation anspruchsvoll. Deshalb ist es für uns essenziell, eine klare globale Strategie zu vermitteln, die dennoch Spielraum für lokale oder geschäftsspezifische Aspekte bietet. Ein ganz entscheidender Hebel sind dabei unsere Führungskräfte. Sie sind die wichtigsten Kommunikator:innen, wenn es darum geht, die Transformation in die Teams zu tragen und greifbar zu machen.
Funktioniert Storytelling in einem so stark von Technik geprägten Umfeld?
Ja, aber es muss authentisch sein. Wir erzählen keine konstruierten Geschichten, sondern zeigen echte Menschen und echte technologische Meilensteine. Wenn wir beispielsweise erklären, wie unsere Anlagen zur CO₂-Reduzierung beitragen, dann ist das an sich schon eine starke Story. Gleichzeitig machen wir die Mitarbeitenden sichtbar, die jeden Tag daran arbeiten: von den Mitarbeitenden in unseren Forschungsabteilungen über die Ingenieur:innen bis hin zu den Menschen in der Produktion. Viele Kolleg:innen sind überrascht und stolz, wenn sie erfahren, was thyssenkrupp alles macht.
Wenn Du nach vorne schaust: Welche Fähigkeiten werden für interne Kommunikator:innen am wichtigsten?
Zum einen die Fähigkeit, Komplexität konsequent zu reduzieren, ohne Inhalte zu verfälschen. Unsere Welt wird nicht einfacher und die von thyssenkrupp auch nicht. Umso wichtiger ist es, Kernaussagen herauszuarbeiten, sie in klare Bilder und Geschichten zu übersetzen und auf wenige, klar verständliche und wiederkehrende Botschaften herunterzubrechen. Zum anderen wird es entscheidend sein, verstärkt datenbasiert zu arbeiten: Wir müssen noch besser verstehen, welche Zielgruppen welche Informationen auf welchen Kanälen brauchen, und daraus dann unsere Formate ableiten. Bei all dem bleibt eine Fähigkeit für mich unverzichtbar: Empathie. Transformation ist immer auch emotional – und gute interne Kommunikation holt die Menschen genau dort ab.