Digitale Settings und Präsenz-Events sollten sich im besten Fall ergänzen

Grosser 3072x1620

Mit der MEDICA veranstaltet die Messe Düsseldorf Deutschlands besucherstärkstes Branchen-Event im Gesundheitswesen. Zehntausende strömen dafür regelmäßig in die Düsseldorfer Messehallen. Als Director Health & Medical Technologies ist Christian Grosser mittendrin. Im Interview mit Simeon Atkinson, Geschäftsführer von Achtung! InnoHealth, erklärt Christian Grosser, was MEDICA-Besucher in diesem Jahr erwartet – und wie er die Messesaison erlebt.

Christian, wie sehen deine Wochen und Tage vor einer großen Messe wie der MEDICA für Dich aus? Was sind da deine Prio-1-Themen?

Zum Veranstaltungstermin hin verdichten sich die To-dos immer mehr. Aufgaben unterschiedlicher Abteilungen und Veranstaltungspartner werden zusammengeführt und einkalkulierte Zeitpuffer gibt es irgendwann nicht mehr. Wenn ein „Rädchen ins andere greift“, gibt es eigentlich auch nur Prio-1-Themen: Ausstellerservice, reibungsloser Verkehr auf dem Gelände, Technik, Bühnengestaltung, protokollarische Abläufe, Medienarbeit und -betreuung – vieles hängt mit vielen anderen Dingen zusammen und ist damit gleichrangig wichtig.

Und was beschäftigt dich an den Messetagen selbst? Was hält dich da auf Trab?

Termine, Termine, Termine … denn es geht mir exakt so wie allen anderen auch, die zur MEDICA kommen. Man möchte mit vielen Menschen zusammentreffen und möglichst vieles mitbekommen – vom interessanten Bühnenprogramm, von spannenden Diskussionsrunden und natürlich auch von vielen Neuheiten auf den Messeständen. Nach Schließung der Messetore ist dann ein Messetag lange noch nicht vorbei. Team-Besprechungen, Empfänge, Get-togethers, Partys – Messelaufzeiten sind stets eine Art Marathon.

In diesem Herbst gibt es wohl einige Tage dieser Art. Mit der MEDICA wie auch mit der expopharm finden zwei Top-Events der Gesundheitswirtschaft regelmäßig in Düsseldorf statt. Was spricht für den Standort am Rhein?


Erst einmal: die Stadt selbst. Düsseldorf ist vielseitig attraktiv und sicher immer eine Reise wert. Die messebezogenen Faktoren sind on top überzeugend: Mehr als 11 Millionen Menschen leben in der Rhein-Ruhr-Region. Nordrhein-Westfalen und die benachbarten Benelux-Staaten zählen 45 Millionen Einwohner und übrigens insgesamt gut 550 Kliniken. Darunter sind einige universitäre Standorte für Hochleistungsmedizin. Das Branchen-Cluster an Rhein und Ruhr ist vielfältig. Außer für Unternehmen, die sich jetzt schon der Gesundheitswirtschaft verschrieben haben, bietet sie auch Chancen für Unternehmen aus anderen Bereichen. Das gilt etwa für Firmen aus den Mikro- und Nanotechnologien, der Informations- und Kommunikationstechnik, den materialverarbeitenden Industrien oder z. B. auch der Logistik und dem Dienstleistungsbereich.

Für Achtung! InnoHealth als Agentur aus Düsseldorf kommt noch die kurze Entfernung dazu. Trotzdem gefällt mir auch das Reisen zu anderen Veranstaltungen. Wie oft bist du selbst auf anderen Events unterwegs?


Der Besuch anderer Events ist enorm wichtig und steht deshalb regelmäßig auf der Agenda. Gleich ob Verbandstagung, Kongress oder der Besuch von Messen im In- und Ausland – die Teilnahme hilft, das Ohr an der Branche und ihren Akteuren zu halten sowie wichtige Trends richtig einschätzen zu können. Übrigens hat mich dieses Interview auf dem Weg zu einer Veranstaltung unseres MEDICAlliance-Medizinmesse-Portfolios erreicht, der MEDICAL FAIR THAILAND in Bangkok.

Was hat dich dabei zuletzt inspiriert?

Richtig erfreut bin ich darüber, dass Menschen überall auf der Welt Events in Präsenz nach den Jahren der Corona-Pandemie wieder angenommen haben. Ja, unabhängig von ihrer jeweiligen kulturellen Prägung scheinen alle geradezu ein Verlangen danach zu verspüren. Die persönliche Begegnung, das Anschauen und oft auch das unmittelbare Ausprobieren von Neuheiten sind einfach durch nichts zu ersetzen.

Springt solch ein Spirit auch in einem digitalen oder hybriden Setting über?

Das hybride Setting versucht, beide Welten zu vereinen. Trotz eines enormen Aufwands machen viele aber die Erfahrung: Die „User Experience“ stimmt entweder optimal für das Präsenzauditorium oder für das Online-Auditorium. Wer in Präsenz an einem Ort erscheint, der will eben Speaker in Präsenz sehen und hören, statt sie zugeschaltet zu bekommen. Und insbesondere eine Interaktion zwischen Präsenz- und Online-Auditorium leidet unter Medienbrüchen.

Regelmäßig wiederkehrende Meetings mit gleichem Einladekreis können durchaus auch rein digital durchgeführt nutzenstiftend sein, nachhaltig noch dazu. Entsprechend haben sich Web-Konferenzen als Option in den meisten Unternehmen durchgesetzt. Digitales Setting und Präsenz-Event können sich zudem gut ergänzen. Unser digitales Programmformat MEDICA DEEP DIVE ermöglicht beispielsweise in Vorbereitung auf den Messebesuch das Eintauchen in ausgewählte Trendthemen, die den Markt besonders bewegen. Das erleichtert die inhaltliche Orientierung und Einordnung in Bezug auf die Planung des MEDICA-Besuchs in Präsenz.

Bei der Organisation einer solchen Großveranstaltung kann ja unglaublich viel schiefgehen. Wie sehen die frustrierenden Messemomente eines Veranstalters aus?


Wo viele Menschen in unterschiedlichen Funktionen und aus vielen Unternehmen zusammenarbeiten, können Fehler und Unvorhergesehenes immer passieren. Nur sollte sich ein und derselbe Fehler nicht wiederholen. Insofern kommt es auf die richtigen Learnings an. Und so frustrierend Fehler auch mitunter sein können, so ist es immer wieder ein tolles Erlebnis, wenn trotz Messestresses ad hoc ein alternativer Plan „aus dem Hut gezaubert“ werden muss, der dann funktioniert. Dann haben unsere Gäste im Idealfall gar nicht erst bemerkt, dass hinter den Kulissen etwas schiefgelaufen ist, weil sich die Alternative als genauso gut erweist. Das sind Fälle, in denen dann Teamwork gefragt ist und top funktioniert.

An der Organisation einer Messe sind viele Menschen beteiligt – bei den Ausstellern, aber natürlich auch bei der Messe Düsseldorf. Wie sieht das Team aus, das die MEDICA organisiert?


Wir unterschieden das „große Team“ und das so genannte Kern-Team. Zum Kern-Team gehören alle, die in den kompletten Projektablauf eingebunden sind – von der Konzeptions- und Planungsphase über die Umsetzung von Vertriebs- oder Vermarktungsaufgaben bis zu unmittelbaren Organisationsaufgaben im zeitlichen Umfeld der Veranstaltung. Im Kern-Team sind wir aktuell 15 Kolleginnen und Kollegen. Im gesamten Team arbeiten dann auch die Abteilungen mit, deren spezielle Expertise nur in bestimmten Projektphasen zum Tragen kommt. Das gilt z. B. für Verkehr und Logistik, Geländeservice, Eingangsmanagement, Protokoll sowie Design.

Was stellt dieses Team in diesem Jahr für die MEDICA auf die Beine? Worauf dürfen wir uns besonders freuen?

In den einzelnen thematischen Erlebniswelten der MEDICA gibt es nicht nur viele Neuheiten für den gesamten ambulanten und klinischen Behandlungsablauf zu entdecken, sondern auch ein Bühnenprogramm mit vielen Highlights. Dazu zählen z. B. die Finale unserer beiden beliebten Start-up-Wettbewerbe. Bei der 12. MEDICA Start-up COMPETITION geht es um die gesamte Bandbreite an Innovationen für den Healthcare-Bereich. Der 15. Healthcare Innovation World Cup setzt den Akzent dagegen auf intelligente „Internet of Medical Things“-Lösungen (IoMT) wie z. B. digitale Biomarker, smarte Pflaster oder vernetzbare Wearables.

Für fachliche „Würze“ sorgen natürlich auch Top-Keynote-Speaker wie etwa Bundesgesundheits-minister Karl Lauterbach bei der Auftaktveranstaltung zum begleitenden Deutschen Krankenhaustag, NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann beim MEDICA ECON FORUM oder aber auch Hockeyweltmeister Timur Oruz bei der MEDICA MEDICINE + SPORTS CONFERENCE. Oruz wird berichten, wie sich Hochleistungssport mit Diabetes Typ 1 realisieren lässt.

Noch ganz frisch ist die Zusage von Bart de Witte, als Keynote-Speaker und „Guru“ für KI und digitale Transformation im Gesundheitswesen beim MEDICA HEALTH IT FORUM einen starken inhaltlichen Impuls zu setzen.